Das erste Weihnachten nach einer Trennung hat eine unangenehme Eigenschaft: Es kommt zu einem festen Datum, ob du bereit bist oder nicht. Alles, was sonst langsam heilen darf, wird an drei Tagen im Dezember sichtbar. Der leere Stuhl, die Traditionen, die zu zweit entstanden sind, die Frage von Verwandten, wie es dir geht.
Gut wird dieses Weihnachten vielleicht nicht. Planbar ist es trotzdem, und ein geplantes Fest ist leichter auszuhalten als eines, das dich überrascht.
Früh entscheiden, wo du feierst
Schwierig wird es oft schon in den Wochen davor, solange nichts entschieden ist. Wer lädt ein, wer fährt wohin, wird es komisch, wenn du allein kommst?
Entscheide bis Anfang Dezember, wo du die drei Tage verbringst. Es gibt keine falsche Antwort. Bei den Eltern, bei Freunden, allein zu Hause, verreist. Wichtig ist nur, dass du es entschieden hast und nicht die Umstände.
Wenn du allein sein willst, sag das so, ohne Begründung: „Ich bleibe dieses Jahr zu Hause, ich habe mir was vorgenommen.“ Das stimmt, sobald du dir etwas vornimmst.
Mit Kindern: die Absprache vor dem Fest
Wenn Kinder da sind, ist die wichtigste Frage, wer sie wann hat. Sie sollte im November geklärt sein, schriftlich, damit im Dezember niemand verhandeln muss. Eine Möglichkeit ist, sich abzuwechseln: einer hat Heiligabend, der andere den ersten Feiertag, im nächsten Jahr umgekehrt. Ob das für euch passt, entscheidet ihr. Wenn ihr euch nicht einigt, helfen Jugendamt oder Familienberatungsstellen bei der Vermittlung.
Und für den Teil der Feiertage, an dem die Kinder beim anderen Elternteil sind: Plan genau diese Stunden besonders gut, sonst werden sie schnell die schwersten.
Alte Rituale ändern, statt sie zu kopieren
Den Baum genauso schmücken wie immer, dasselbe Essen kochen, dieselbe Musik: Das kann tragen, es kann aber auch jede Minute daran erinnern, wer fehlt. Du musst nicht alles umwerfen. Ändere eine Sache bewusst. Ein anderes Essen, ein Spaziergang am Morgen, der vorher nie stattgefunden hat, ein Film, den nur du magst.
Ob das neue Ritual schön wird, ist zweitrangig. Hauptsache, es gehört dir.
Zwischen den Jahren: eine halbe Stunde für das nächste Jahr
Zwischen Weihnachten und Neujahr ist es oft still. Diese Tage eignen sich gut für eine halbe Stunde mit Stift und Papier.
Drei Fragen reichen für den Anfang:
- Wie geht es mir gerade in den einzelnen Bereichen meines Lebens, Wohnen, Geld, Freundschaften, Arbeit, Körper?
- Was will ich im nächsten Jahr auf keinen Fall mehr erleben?
- Wenn das nächste Weihnachten besser ist als dieses: Was ist bis dahin passiert?
Die dritte Frage ist die wichtigste. Schreib die Antwort in der Vergangenheitsform, als wäre es schon geschehen. Aus einem Gefühl wird dabei eine Reihenfolge, und mit einer Reihenfolge kann man im Januar anfangen.
Wenn es zu schwer wird
Wenn du an den Feiertagen nicht mehr weiterweißt: Die TelefonSeelsorge ist auch an den Feiertagen rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Dort kannst du auch per Chat oder Mail schreiben.
Kompass fürs Trennungsjahr, kostenlos
Für die halbe Stunde zwischen den Jahren: drei Arbeitsblätter als PDF, die genau diese Fragen stellen.
Du hast das Buch noch nicht?
Die Übungen stammen aus dem Arbeitsbuch. Dort folgen Boards für acht Lebensbereiche und ein 90-Tage-Plan zum Ausfüllen.
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